Teilprojekt 4 Übergänge von der Schule in den Beruf und gesundheitliche Ungleichheiten bei jungen Erwachsenen

Die Berufseinstiegsphase umfasst üblicherweise die Zeit vom 16. bis zum 24. Lebensjahr und ist in vielerlei Hinsicht entscheidend für den weiteren Lebenslauf. Vor diesem Hintergrund sind die während dieses Lebensabschnitts verstärkt auftretenden gesundheitlichen Ungleichheiten in besonderem Maße problematisch und verlangen nach Erklärungen. Diese sind zunächst bei den vermittelnden Faktoren auf individueller Ebene zu suchen (materielle, psychosoziale, verhaltensbezogene Faktoren). Zudem ist aber dem Umstand Rechnung zu tragen, dass individuelle Einflussfaktoren in institutionelle Kontexte auf der Meso-Ebene eingebettet sind (z.B. Universität, Betrieb).

Jede dieser Institutionen stellt ein spezifisches kontextuelles Setting dar, das direkt oder indirekt auf die Gesundheit seiner Mitglieder wirkt und gesundheitliche Ungleichheiten verstärken oder verringern kann. Um ein besseres Verständnis gesundheitlicher Ungleichheit bei jungen Erwachsenen zu erreichen, gilt es also, die komplexen Verbindungen von individuellen und kontextuellen Faktoren der Meso-Ebene zu berücksichtigen. Da es auffallend wenig Forschung zur dieser Thematik gibt, ist das Ziel dieses Teilprojekts, hierzu neue Erkenntnisse zu liefern.

Die Forschungsfragen lauten:

  1. Welche Determinanten auf individueller Ebene tragen zum Zusammenhang zwischen der sozio-ökonomischen Position und der Gesundheit bei jungen Erwachsenen bei?
  2. Ist der Zusammenhang zwischen der sozio-ökonomischen Position, den individuellen Faktoren und der Gesundheit abhängig von der Art der Institution(en), die junge Erwachsene in der Berufseinstiegsphase besuchen?
  3. Welche spezifischen kontextuellen Merkmale der einzelnen Institution beeinflussen das Auftreten gesundheitlicher Ungleichheiten?

Mittels einer Literaturübersicht wird zunächst der Forschungsstand zur gesundheitlichen Ungleichheit während der Berufseinstiegsphase zusammengefasst und ein konzeptioneller Rahmen für den empirischen Teil erstellt, der aus drei Studien besteht. Die erste nutzt Längsschnittdaten der Startkohorte 4 des Nationalen Bildungspanels (NEPS SC4) und untersucht, wie sich gesundheitliche Ungleichheiten im Alter von 16 bis 24 Jahren entwickeln, welche individuellen Faktoren Ungleichheiten erklären und ob unterschiedliche Institutionen dabei als Mediatoren oder Moderatoren fungieren. Die zweite und dritte Studie setzt jeweils den Fokus auf die Beispiele Universität (NEPS, Startkohorte 5, Studierende) und Beruf (Querschnitt, ‘Jugenderwerbstätigenbefragung’), um spezifische kontextuelle Merkmale der Institution in ihrer Wirkung zu analysieren. Die Ergebnisse werden in das forschergruppenübergreifende Mehrebenen-Modell der gesundheitlichen Ungleichheit von der Geburt bis ins junge Erwachsenenalter integriert. Erkenntnisse aus diesem Teilprojekt liefern einen wesentlichen Beitrag, da sie einen Lebensabschnitt von besonderer Bedeutung für die spätere Gesundheit beleuchten und zentrale gesellschaftliche Institutionen betreffen.


Institut für Medizinische Soziologie, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

  • Nico Dragano, Prof. Dr.
  • Claudia Pischke. Prof. Dr.
  • Marvin Reuter, M.A.