Teilprojekt 2 Kindergarten und gesundheitliche Ungleichheiten im Kindesalter

Das Vorschulalter gilt als entscheidende Entwicklungsphase für gesundheitliche Ungleichheiten. Neben der Familie als primärem Sozialisationsagent sind Kindergärten, welche von 93% der Kinder in Deutschland besucht werden, in dieser Lebensphase der wichtigste institutionelle Sozialisationsagent. Die Frage, ob und welche kontextuellen und kompositionellen Merkmale von Kindergärten mit Gesundheit in Verbindung stehen, wurde bisher kaum empirisch untersucht.

Bislang lag der Fokus auf der Analyse des Kindergartenbesuchs per se und der Evaluation spezieller Gesundheitsförderungsprogramme in einzelnen Kindergärten. SP2 hat das Ziel, diese Forschungslücke zu schließen. Das übergeordnete Ziel von SP2 ist, die Rolle individueller Determinanten sowie kompositioneller und kontextueller Merkmale von Kindergärten zu untersuchen, um gesundheitliche Ungleichheiten und Gesundheit bei Kindern im Vorschulalter zu erklären.

Folgende Forschungsfragen stehen dabei im Fokus:

  1. Welche individuellen Determinanten tragen zur Erklärung von Gesundheit und gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindergartenkindern bei und welche dieser Determinanten zeigen den stärksten relativen Beitrag zur Erklärung von Gesundheit und gesundheitlichen Ungleichheiten in dieser Altersgruppe?
  2. Welche kompositionellen und kontextuellen Eigenschaften von Kindergärten sind mit Gesundheit und gesundheitlicher Ungleichheit assoziiert?
  3. Wird die Assoziation zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit – unabhängig von individuellen Determinanten – von kompositionellen und kontextuellen Merkmalen des Kindergartens mediiert oder moderiert?

Basierend auf einem im Rahmen des Projekts durchzuführenden Scoping-Review zum Forschungsstand werden im Anschluss zwei Sekundärdatensätze ausgewertet (PReschool INtervention Study PRINS und National Educational Panel Study NEPS). Der in 52 Kindergärten (n=1.134 Kinder) erhobene PRINS-Datensatz enthält sehr detaillierte (und teilweise longitudinale) Daten zu Gesundheit und Gesundheitsverhalten sowie umfassende kontextuelle und kompositionelle Daten der Kindergärten. Darüber hinaus ist PRINS einer der wenigen Datensätze weltweit und der einzige in Deutschland, der körperliche Aktivität für Kinder im Vorschulalter objektiv durch Akzelerometrie gemessen hat. Der NEPS-Datensatz ist eine bundesweite Repräsentativstudie im Multi-Kohorten-Sequenz-Design. Die für SP2 relevante Kohorte umfasst 2.949 Kinder aus etwa 250 Kindergärten, die in sechs aufeinanderfolgenden Wellen longitudinal befragt wurden. Die Daten umfassen einerseits Gesundheitsvariablen und andererseits kontextuelle und kompositionelle Daten zu den Kindergärten. Aufbauend auf dem übergreifenden konzeptionellen Modell wird SP2 empirische Belege für den Zusammenhang zwischen dem institutionellen Kontext Kindergarten und individueller Gesundheit und gesundheitlichen Ungleichheiten liefern. Mit der Erforschung von gesundheitlicher Ungleichheit in einem frühen Stadium des Lebensverlaufs wird ein wichtiger Beitrag für die Forschung in Deutschland geleistet. 



Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg

  • Sven Schneider, apl. Prof. Dr.
  • Jennifer Hilger-Kolb, M.Sc.
  • Raphael Herr, Dr.
  • Katharina Diehl, PD Dr.